Die
amerikanischen Wasserschildkröten
der Gattung Clemmys (RITGEN, 1828)
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| Clemmys
guttata (SCHNEIDER,
1792) |
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Die
nordamerikanische Tropfenschildkröte ist einer der kleinsten Schildkrötenarten
überhaupt. Sie erreicht eine Carapaxlänge von circa 8 bis maximal
12,7 cm. Nach der Revision der Gattung Clemmys
ist C. guttata die einzig verbliebene Art. Die früher ebenfalls
in diese Gattung integrierten C. muhlenbergi und C. insculpta
werden nun als Glyptemys, C. marmorata
als Actinemys geführt. |
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| Achtung
fehlerhafte Haltung: |
| In
einer früheren Arbeit habe ich die Gemeinschaftshaltung publiziert.
Becker (1994), Elaphe (N.F.), 1994 Band 2 / Heft 2
Nach meinem heutigen Wissenstand
ist diese Art der Haltung nicht praktikabel und führt zum Verlust
der Tiere. Erste Anzeichen für den Stress der Tiere war ein deutliches
Absinken der Befruchtungsrate bis nachher kein Ei mehr befruchtet war.
Anschließend kam es zum Tod erst eines Weibchens, dann eines Männchens.
Daraufhin bin ich zur strikten Einzelhaltung übergegangen.
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| Aussehen: |
| Kleine
gelbe Punkte und Flecken befinden sich auf dem schwarzen Carapax. Auch am
Kopf und Hals befinden sich gelbe bis orangerote Flecken. Die Anzahl und
Farbintensität dieser Punkte und Flecken ist von Individuum zu Individuum
sehr unterschiedlich. Die markante Fleckzeichnungen auf Panzer und Kopf
dient meiner Meinung nach nur Tarnung. Inmitten der Vegetation in der Natur,
besonders in flachen Tümpeln und Seen mit Wasserlinsen ist die kleine
Schildkröte nicht zu entdecken und verschwimmt mit ihrer Umgebung.
Als Beispiel ist hier ein Foto einer Emys eingefügt, wo der
Effekt erkennbar ist. |
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| Verbreitung: |
Das
Verbreitungsgebiet von Clemmys guttata reich fast über
die gesamte Ostküste der USA und Südkanada. Genauer gesagt
von Südost Kanada über Nordost Illinois und Michigan nach
Süd–Maine und südlich bis zum Nördlichen Florida.
Damit ist eine generelle Aussage zur Haltung und zu den Temperaturbedingungen
bereits sehr schwierig. Einige Züchter halten ihre Tiere im Freiland
und haben gute Erfolge damit. Andere bevorzugen die reine Terrarienhaltung
und haben auch damit Erfolg. Sicherlich wäre es sehr hilfreich,
die Herkunft der Tiere zu kennen. Das ist sicherlich immer schwierig,
da die meisten Tiere entweder als Nachzuchten oder aus dem Tierhandel
kommen.
Verbreitungskarte
Geographisch unterschiedlich
gefärbte Tiere sind nicht bekannt.
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| Lebensraum: |
| ROGNER
(1985) gibt in seinem Buch Schildkröten 1 an, dass die Tropfenschildkröte
vor allem in kleineren, weichgrundigen und sehr vegetationsreichen Gewässern,
aber auch in kleineren vom Wald umgebenen Flüssen lebt. Dort sollen
sie vorwiegend im Flachwasserbereich am Boden herumwandern. Clemmys
guttata gilt als nicht so gut schwimmende Schildkröte. |
| Futter: |
Clemmys
guttata frisst sowohl pflanzliche wie auch tierische Kost. Sie bevorzugt
allerdings klar die tierische. Sie lässt sich aber auch ohne Probleme
mit Pelletfutter oder Schildkrötenpudding füttern. Zur pflanzlichen
Kost gehören süße Früchte wie vor allem Bananen, die
gerne genommen werden. Als tierische Kost können Regenwürmer,
Zophopaslarven, Grillen und Heimchen, Kellerassel, aber auch Nackt- und
Gehäuseschnecken und Babymäuse dienen.
Es könnte ein Problem sein, wenn im Winter fangfrische Regenwürmer
aus dem Garten verfüttert werden. Ein befreundeter Züchter berichtete
mir, dass sich während es Winters Giftstoffe im Regenwurm anreichern.
Dadurch könnten die Tiere Schaden nehmen. Ich verzichte deshalb während
des Winters darauf, Regenwürmer auszugraben und zu verfüttern. |
| Unterbringung: |
Der
Tropfenschildkröte sollte ein Aquaterrarium geboten werden, welches
sowohl einen großzügigen Land- wie auch Wasserteil enthält.
Grundsätzlich sollte aber bemerkt werden, dass man lieber ein kleineres
Terrarium und Einzelhaltung als ein großes mit der Vergesellschaftung
mehrere Tiere macht. Die Größe von Clemmys guttata verführt
dazu, dass man sagt, man kann ja relativ viele Tiere in relativ kleinem
Behälter halten. Das führt aber unweigerlich zum Verlust der Tiere.
Die Größe
meiner Terrarien ist LBH 100x40x40cm. In einem Abstand von circa 30 cm ist
eine Glasplatte eingeklebt, sodass das Landteil die Grundfläche von
30x40cm, dass Wasserteil von 70x40cm hat. Über die Glasplatte wurde
eine Korkröhre geklemmt um einen Übergang vom Wasser zum Land
zu haben. Als Bodengrund im Landteil wird Spielplatzsand verwendet. Über
dem Landteil ist eine 60Watt Spotlampe angebracht um dem Tier die Möglichkeit
zum Aufwärmen zu geben.
Im Wasserteil befinden sich einige Sandsteine und Plastikpflanze um das
Becken zu strukturieren und Versteckmöglichkeiten zu bieten. Der Wasserstand
ist circa 12 bis 15 cm. Das Wasser wird mit einem handelsüblichen Eheim
Außenfilter gefiltert.
Aber wie schon
mehrfach gesagt: In einem Terrarium befindet sich eine C. guttata.
Die Vergesellschaftung mit anderen Schildkrötenarten wie z.B. Mauremys
japonica und Sternotherus minor peltifer machte aber keine
Probleme. |
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| Überwinterung: |
| Die
Tiere verbleiben in ihren Terrarien. Beginnende Mitte November wird die
Beleuchtungsdauer stetig reduziert und Mitte Dezember gänzlich ausgeschaltet.
Die Temperatur im Terrarienraum beträgt dann tagsüber zwischen
12 und 14°C, fällt nachts aber nie unter 10°C. Dort verbleiben
die Tiere bei Dunkelheit für circa 6 Wochen. Ende Januar wird die Beleuchtungsdauer
langsam wieder erhöht. |
| Negative
Erfahrungen bei der Überwinterung: |
| 2001
habe ich einen Teil meine Tiere in ein neugebautes Gewächshaus überführt.
Auch hier habe ich Einzelhaltung praktiziert. Während der Sommermonate
kam es zu keinerlei Problemen, die Tiere kamen auch mit teilweise sehr hohen
Außentemperaturen zu recht. Während der Winterzeit wurde das
Gewächshaus geheizt um es so frostsicher zu halten. Die Temperaturen
fiel aber Zeitweise und hauptsächlich auch nachts durchaus auf 3 bis
5!C. Mitte Januar stellte ich fest, dass ein Männchen und zwei Weibchen
sehr starr und unbeweglich im Wasser lagen. Ich habe diese Tiere dann sofort
in den Tarrarienraum überführt, wo eine Temperatur von 12 bis
14°C herrschte. Die Tiere waren weiterhin lethargisch und starben kurz
danach. Ein weiteres im Gewächshaus befindliches Tier machte aber einen
topfiten Eindruck und wurde im Gewächshaus belassen. Diese überstand
die Überwinterung absolut ohne Problemen, jetzt im dritten Jahr. Ob
durch die unterschiedliche geographische Herkunft ein solches Phänomen
zu erklären ist oder die Todesursache andere Gründe hatte, lässt
sich heute nicht nachvollziehen. Ich kann allerdings sagen, dass ich bei
der Terrarienüberwinterung im Raum noch keine Ausfälle hatte. |
| Geschlechtsunterschiede: |
Der
Unterschied zwischen Männchen und Weibchen lässt sich vor allem
bei adulten Tieren gut erkennen. Die Männchen besitzen einen konkaven
Bauchpanzer und einen längeren und an der Schwanzwurzel dickeren Schwanz.
Als weiteres Merkmal wird genannt, dass die Männchen eine dunklere
bis graue Kinnzeichnung haben. Des lässt sich aber nur zur Bestimmung
im direkten Vergleich heranziehen. |
| Paarung: |
Einige
Tage nach der Überwinterung, wenn die Tiere wieder gut fressen und
aktiv sind, beginne ich damit, die Tiere zusammenzusetzen. Üblicherweise
setzte ich das Männchen zu dem Weibchen. Das Weibchen wird durch diesen
Vorgang schon genügend unter Stress gesetzt und sollte so wenigsten
in seiner gewohnten Umgebung bleiben.
Man kann relativ schnell erkennen ob das Weibchens paarungsbereit ist oder
nicht. Ist sie noch nicht paarungsbereit führt sie hektische Bewegungen
aus und flüchtet geradezu panisch vor dem Männchen. Dann sollte
man schnellstmöglich das Männchen aus dem Terrarium entfernen.
Dr. Michael Reimann berichtete mir kürzlich von einem Todesfall, wo
es genügt hatte, das Männchen und das Weibchen über Nacht
in einem Becken zu belassen.
Ist das Weibchen paarungsbereit, streckt es den Kopf und den Hals weit heraus
und verharrt vor dem Männchen. Dieser reitet dann auf. Ingo Schaefer
hat darüber in seiner hervorragenden Arbeit über die Haltung und
Nachzucht der Tropfenschildkröte, Salamandra, Band30/Heft 1 ausführlich
publiziert. Er beschreibt in dieser Arbeit auch Versuche zu Reaktionen auf
optische Signale. |
| Eiablage: |
Die
Eiablage erfolgte stets in den späten Abendstunden und dauerte bis
zu 3 Stunden. Der eigentlichen Ablage gehen aber häufig tagelange „Probegrabungen“
voran. Beschleunigen kann man den Vorgang, indem man eine Stelle des Landteils
mit warmen Wasser gut anfeuchtete.
Es wurden zwischen 2 bis drei Eier bei bis zu drei Gelegen pro Jahr abgesetzt.
Es gab 25 Eiablagen mit insgesamt 62 Eiern. Es wurden 13 mal zwei und 12
mal 3 Eier gelegt. Die Hauptablegezeit ist April und Mai. |
| Monat |
Anzahl
der Gelege |
| Februar |
1 |
| März |
1 |
| April |
9 |
| Mai |
8 |
| Juni |
5 |
| Juli |
1 |
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| Inkubation
und Schlupf: |
Die
Eier wurden in einem nach den Angaben von Bernd Eidenmüller selbst
konstruierten Inkubator bebrütet. Ich glaube es sollte inzwischen selbstverständlich
sein, dass die Eier beim Überführen aus der Legegrube in den Inkubator
nicht gedreht werden dürfen und in ihrer ursprünglichen Lage ins
feuchte Vermiculit eingebetet werden. Die Eier werden etwa zur Hälfte
eingegraben. Ob die Eierbefruchtet sind sieht man bereits nach einem Tag.
Es bildet sich in der Mitte des Eis ein weißer Punkt, der sich du
einer Bänderung vergrößert. Innerhalb der Inkubationszeit
breitet sich diese Bänderung über das ganze Ei zu den Polkappen
hin aus. Bei unbefruchteten Eiern bleibt das Ei blassgelblich.
Die Inkubationstemperatur betrug zwischen 27 bis 29°C. Das Substrat
ist feuchtes Vermiculit. Die Inkubationszeit betrug zwischen 46 bis 64 Tagen.
Das Schlupfgewicht lag zwischen 3,0g und 5,74g |
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| Wasseraufnahme
während der Inkubation: |
| Bei
einer Untersuchung zur Wasseraufnahme während der Inkubation von Reptilieneiern
wurde folgendes Ergebnis festgestellt: |
Ei |
Gewicht
am Legetag |
Gewicht
nach 40 Tg. |
Schlupfgewicht |
1 |
6,9
g |
8,68
g |
4,86
g |
2 |
6,93
g |
10,7
g |
5,74
g |
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| Aufzucht
der Jungtiere: |
Die
frisch geschlüpften Babies wurden in ein Plastikterrarium mit der Grundfläche
15x25cm einzeln verbracht. Der Wasserstand beträgt circa 3 cm. Die
Einrichtung besteht, wie bei den Adulti, aus einigen flachen Sandsteinen
und einer Vielzahl von Plastikpflanzen. Gefüttert werden die kleinen
C. guttatas mit rote Mückenlarven, Kellerasseln, kleinen Regenwürmern,
Schildkrötenpudding und Pelletfutter.
Auch hier ist eine Einzelhaltung vorzuziehen. Häufig kommt es dazu,
dass einzelne Tiere unterdrückt werden, kümmern und letztlich
verenden. |
| Erreichen
der Geschlechtsreife: |
ROGNER
beschreibt, dass Männchen mit drei bis vier Jahren und einer Carapaxlänge
von circa 8,5 cm die Geschlechtsreife erreichen. Mir erscheint das Erreichen
der Geschlechtsreife bereits nach drei Jahren relativ schnell.
Ein bei mir am 07.08.1992 geschlüpftes Weibchen erreichte nach 6 Jahren
die Geschlechtsreife und legte am 23.04.1998 erstmals Eier. Allerdings waren
diese nicht befruchtet. |
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