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1989 bot sich mir
die Möglichkeit, ein semiadultes Paar der Art Cuora flavomarginata
zu erwerben. Diese Tiere hatten bereits einige Zeit im Terrarium verbracht
und waren ausschließlich mit Katzenfutter gefüttert worden.
Die Umstellung auf abwechslungsreiche Kost war anfänglich mühsam.
Durch Gabe von vitaminisierten Regenwürmern, Zophobas-Larven, Rinderherzstreifen,
Gehäuse- und Nacktschnecken stellten die Tiere ihre Freßgewohnheiten
um.
1990 konnte ich zu diesem Paar ein in der Größe passendes Weibchen
erwerben. Die anfängliche Scheu der Tiere verlor sich nach etwa einem
dreiviertel Jahr vollkommen. Jetzt nahmen sie auch außer der tierischen
Kost die immer wieder angebotenen Früchte an. Der Speisezettel wurde
nun mit Bananen, Kiwis, überreifen Birnen, Erdbeeren, Himbeeren,
Brombeeren, Tomaten und Schildkrötenpellets, sowie mit Schildkrötenpudding
erweitert. Äpfel, Salat und Löwenzahn werden allerdings immer
noch verschmäht.
Die Tiere wurden in einem Aquaterrarium mit den Maßen LHB 100 x
40 x 40 cm untergebracht. Eine 40 x 23 cm große Glasplatte wurde
im Winkel von 40° vertikal als Trennung zwischen Wasser- und Landteil
eingeklebt. Eine flache Felsplatte im Wasser und eine auf die Glasplatte
geklebte Korkplatte erleichtern den Tieren den Ein- und Ausstieg ins Wasserteil.
Der Wasserteil wird über einen Eheim - Außenfilter 2011 gefiltert.
Die Tiere scheuen tiefes Wasser, so daß darauf geachtet werden muß,
daß Sie bequem mit dem Kopf über die Wasseroberfläche
können. Der Landteil wird mit einer Heizmatte (25 x 35 cm / 15W)
beheizt. Als Beleuchtung dient eine Leuchtstoffröhre Osram 18 W.
Über der Heizmatte wurden Sandsteinplatten so angeordnet, daß
in der Mitte des Terrariums eine Legegrube entstand. Das Terrarium wird
tagsüber auf 28 - 30 °C geheizt, nachts sinkt die Temperatur
auf 24 - 26 °C. Als Bodensubstrat verwende ich Sand, der lokal feucht
gehalten wird. Insgesamt ist das Terrarium mit circa 10 cm Sandstein und
Sand aufgefüllt. Die Tiere schlafen auf dem Landteil unter der schrägen
Glasplatte, wo sie sich ein Versteck gegraben haben.
Bodensubstrate wie Rindenmulch, Torf, Erde, oder ein Gemisch aus Sand/Torf
haben sich aus praktischen Gründen nicht bewährt, da die Tiere
aufgrund ihrer intensiven Grabtätigkeit und dem ständigen Wechseln
zwischen Land und Wasser den Wasserteil extrem verunreinigen.
Cuora flavomarginata gilt als untereinander sehr unverträglich.
Elmar Meier empfielt deshalb eine Einzelhaltung und nur Vergesellschaftung
zur Paarung. ZWARTEPORT (1986,1991) berichtet dagegen von drei Männchen
und einem Weibchen, die er in einem 170 x 100 x 100 cm großen Aqua-Terrarium
untergebracht hat. Die o.g. Haltung hat sich bei mir bewert, wobei es
sofort zu Beisereien und Kämpfen kam, wenn zwei Männer sich
im Terrarium befunden haben.
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Nach der Winterruhe
91/92 bemerkte ich wiederum im Februar und März Balz- und Paarungsaktivitäten
bei diesem Paar. Eine deutliche Gewichtszunahme des Weibchens deutete
auf eine Eibildung hin. Deshalb entschloß ich mich das weibliche
Tier abzutasten, und konnte deutlich in der Hinterbeingrube zwei Eier
palpieren. Daraufhin kontrollierte ich täglich das Tier. Am 28.03.1992
stellte ich bei einer Kontrolle fest , daß es die Eier abgelegt
haben mußte. Es hatte sie zwischen zwei Sandsteinplatten im Sand
abgelegt, wobei anscheinend ein Ei zerdrückt wurde (Gelege1). Das
zweite Ei, hartschalig, oval und 46 mm lang, wurde in feuchtes Vermiculit
gebettet und bei 28 ± 0,5 °C im Brutschrank gezeitigt. Nach
4 Wochen konnte ich bei der Durchleuchtung des Eies feststellen, daß
sich der Dotter deutlich abgesetzt hatte. Eine Entwicklung war nicht zu
erkennen und das Ei wurde verworfen.
Nach der Winterruhe 92/93 gestaltete ich die Einrichtung des Landteiles
um. Durch die Schaffung einer "Legegrube" wollte ich ein unbeabsichtigtes
Zerstören der Eier verhindern. Erstmals wurde auch das 2. Weibchen
bei der Balz des Männchens berücksichtigt.
Am 26.04.1993 fand ich zwei ovale 43 mm und 45 mm große hartschalige
Eier des 1. Weibchens (Gelege 2), die ich in feuchtes Vermiculit überführte
und im selbstkonstruierten Brutkasten bei 28° ± 0,5 °C
inkubierte.
Am 03.05.1993 fand ich an der gleichen Stelle in der Legegrube zwei Eier
des 2. Weibchens, je 44 mm groß (Gelege 3).
Ein zweites Gelege (Gelege 4) des 1. Weibchens am 27.05.1993 bestand nur
aus einem Ei, das allerdings mit 35mm deutlich kleiner war als die Eier
der anderen Gelege. Dieses Ei entwickelte sich nicht und wurde nach 4
Wochen verworfen.
Bei einer routinemäßigen Kontrolle nach circa einer Woche konnte
ich bei je einem Ei der Gelege 2 und 3 eine deutliche Bänderung feststellen,
während sich das jeweils andere Ei nicht entwickelte.
Nach der Winterruhe 93/94 konnt ich wiederum Balz- und Paarungspiele mit
beiden Weibchen beobachten. Anfang Mai stellte ich bei einer routinemäßigen
Kontrolle fest, daß das kleinere Weibchen 2 deutlich an Gewicht
zugenommen hatte,und ich ertastete auch mindestens ein Ei. Nach weiteren
circa 14 Tagen stellte ich wiederum durch Ertasten fest, daß das
Weibchen abgelegt haben mußte. Ich durchsuchte die Legegrube und
den weiteren Landteil des Aqua - Terrariums. Leider konnte ich kein Gelege
finden.
Am 30.06.94 reinigte ich den Wasser und Landteil des Aqua - Terrariums.
Dabei fand ich das Mitte Mai abgelegte Ei. Das Weibchen hatte das Ei unter
eine Sandsteinplatte in der Legegrube plaziert, sodaß es nur schwer
zu entdecken war (Gelege 5). Durch die unvorsichtigen Reinigungsarbeiten
zerbrach das Ei, und man konnte deutlich einen circa 1 cm großen
Embrio erkennen, der noch kurze Zeit lebte. Das Weibchen hatte sich in
der Legegrube einen so idealen Platz ausgesucht, daß sich der Embryo
im Ei in dem Terrarium entwickeln konnte, und wahrscheinlich auch zum
Schlupf gekommen wäre.
Am 04.07.1994 verstarb das Weibchen 2. Bei der anschließenden Obduktion
wurde festgestellt, das ein kreisrundes, etwa Tischtennisball großes
Ei zur Legenot geführt hatte, an der das Tier verstarb.
Im November 1994 hatte ich die Gelegenheit, ein semiadultes Weibchen (Weibchen
3) zu erwerben, welches zu dem Zuchtpaar gesetzt wurde. Es wog circa 300
g und wurde von dem Männchen wenig beachtet. Nach der Winterruhe
1996/1997 wogt dieses Tier 480 g und wurde jetzt in die Paarungsaktivitäten
mit einbezogen.
Im Frühjahr 1995 habe ich den Tieren ein neues Terrarium mit den
Maßen 100 x 60 x 50 cm eingerichtet. Wahrscheinlich kam es dadurch
1995 zu keiner Eiablage. In das freigewordene Terrarium wurde ein weiteres
semiadultes Paar (Weibchen 4, Männchen 2) gesetzt, welches ich im
Frühjahr 1995 erwerben konnte. Diese Tiere unterscheidet sich durch
eine wesentlich intensivere Kopfzeichnung, welche deutlich dunkel eingefaßt
ist.
Am 09 Mai 1996 legte Weibchen 1 wiederum ein Ei (Gelege 6). Dieses war
mit einer Länge von 59mm, einer Breite von 23 mm und 19 g Gewicht
deutlich größer, als die anderen Eier. Am 27. Juni legte das
Weibchen erneut zwei Eier (Gelege 7). Diese waren mit 10,30 g und 10,93
g wiederum etwas kleiner als üblich.
Diese drei Eier wurden nach Gelege getrennt in eine Box überführt,
die 65 g Vermiculit und 150 g Wasser enthielt. Gezeitigt wurden die Eier
bei 29 ± 0,5 °C. Bei einer routinemäßigen Kontrolle
nach circa einer Woche konnte ich bei den großen Ei aus Gelege 6,
sowie bei einem Ei aus Gelege 7 eine deutliche Bänderung feststellen,
während sich das andere Ei sich nicht entwickelte.
Am 14. April 1997 legte Weibchen 1 wieder ein ungewöhnlich großes
Ei von 19,48 g Gewicht (Gelege 8), auch hier war ca. nach einer Woche
eine deutliche Bänderung zu erkennen.
Am 13.05.1997 legte Weibchen 1 ein 13,89 g schweres Ei (Gelege 9) und
am 01.06.1997 legte Weibchen 3 ihr erstes Ei (Gelege 10). Diese beiden
Eier aus Gelege 9 und 10 entwickelten sich nicht.
Nach der Winterruhe 1997/98 wurden Paarungen des "kleineren Paares"
beobachtet. Da das Weibchen 4 jetzt ein Gewicht von 520 g erreicht hatte,
war die erste Eiablage für dieses Jahr zu erwarten.
Am 22.03.1998 legte Weibchen 4 ihr erstes Gelege (Gelege 11). Die beiden
Eier wogen 15,00 g und 15,23 g. Am 05.05.1998 legte Weibchen 4 ein weiteres
Ei (Gelege 12). Alle Eier dieses Weibchens waren imersten Jahr unbefruchtet.
Am 22.03.1998 legte Weibchen 12 Eier (Gelege 13). Beim Durchsuchen des
Terrariums wurden die Eier in ihrer Lage verändert und es war nicht
möglich, die ursprüngliche Lage zu rekonstruieren. Die Eier
wurden trotzdem in den Inkubator verbracht. Die Eier bänderten sich,
doch Anfang Juni fing das erste Ei an einzufallen.
Am 05.06.1998 wurde das Ei geöffnet. Es befand sich ein 5,5 g schwerer
verendeter Embryo in Rückenlage in dem Ei. Am 18.06.1998 wurde Ei
2 aufgrund starker Geruchsentwicklung ebenfals verworfen, ohne es allerdings
vorher zu öffnen. Hier ist zu bemerken, daß bei C. flavomarginata
- Eiern beim Überführen in die Zeitigungsbox anscheinend die
Lage nicht verändert werden darf, da sonst unweigerlich das Jungtier
im Ei abstirbt.
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Bei einer Kontrolle
des Gelege 2 am 14.07.1993, nach 101 Tagen stellte ich fest, daß
das Ei aus dem ersten Gelege an einem Polende geöffnet war. Ein Jungtier
schaute heraus. Am Abend dieses Tages hatte die kleine Schildkröte
ihre Eischale verlassen. Der Dottersack war vollständig aufgebraucht.
Der Schlüpfling wog 10,4 g, ich habe ihn nicht vermessen. Aus dem
dritten Gelege schlüpfte am 30.07.1993 nach 95 Tagen eine 8,7 g schwere
Schildkröte. Beide Tiere waren äußerlich gesund. Sie sind
ein verkleinertes Abbild ihrer Eltern, einzig der deutlich ausgebildete
gelbe Rückenkiel deutet auf ein "Jugendkleid" hin.
Die leicht erhöhte Temperatur, sowie eine höhere Feuchtigkeit
des Vermiculites haben die Zeitigung der Gelege 6 und 7 bescheunigt. Am
22. Juni 1996 schlüpfte aus Gelegt 6 nach 74 Tagen ein 12,71 g großes
Jungtier. Am 09. September 1996 schlüfte nach ebenfals 74 Tagen ein
6,86 g großes Jungtier.
Aus Gelege 8 schlüfte das Jungtier am 23.06.1997 bei 29 ±
0,5 °C in feuchtem Vermiculit nach 71 Tagen mit einem Gewicht von
12,19 g.
Auffällig
war bei den letzten drei Nachzuchten, daß das Verhältnis zwischen
Eimasse und der Masse des Schlüpflings 1,5 betrug. Dies ist umso
erstaunlicher, da die Gewichte stark differierten. Hier sollte eine genauere
Untersuchung erfolgen.
Die Angaben
von Schaffer und Felsner zu Eigewicht und Masse des Schlüpflings
differieren von 1,53 bis 1,83. Hier ist aber aufgrund der Ungenauigkeit
der Waage durchaus mit Schwankungen zu rechnen, die Ergebnisse liegen
aber im Untersuchungsbereich.
Läßt man die Gelege 1/10/11 als Erstgelege, die Gelege 4/9/
und 13 als Zweitgelege und die Gelege 5/12 als selbstverschuldete Zerstörung
außer acht, dann sind in den Gelegen 2/3/6/7/8, also in 5 Gelegen
mit insgesamt 8 Eiern 5 Junge geschlüpft. Das entspricht einer Schlupfrate
von ca. 63 %.
Die Reproduktionsrate von 5 Jungen in insgesamt 6 Jahren kann hier nicht
als befriedigend angesehen werden, sondern ist als Anfang zu werten.
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